GRÜNER GEHT´S KAUM – ODER DOCH?
INTERVIEW MIT ULRIKE SCHNEIDER

Überall stolpert man über den Begriff der Nachhaltigkeit. Was bedeutet der Begriff im Zusammenhang mit Kommunikation, bzw. nachhaltigem Kommunikationsdesign?

Recycling, Biotonne, Ökostrom – das sind alles Begriffe, die kennt mittlerweile jeder. Dass sie Teilaspekte der Nachhaltigkeit sind, auch das wissen viele. Denn der Begriff Nachhaltigkeit beschreibt folgendes: umwelt- und sozialverträgliches Handeln, das sich wirtschaftlich rechnet, um auch zukünftigen Generationen ein gutes Leben zu ermöglichen. D.h. unter dem Dach Nachhaltigkeit verbergen sich sehr viele Themenbereiche. Und all die Inhalte wie beispielsweise den CO2-Ausstoß minimieren, indem man öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad bevorzugt, das Kaufen regionaler und saisonaler Produkte, Plastikverpackung und -produkte vermeiden zur Reduzierung des Müllbergs – um nur wenige Bereiche zu nennen – müssen in adäquater Form kommuniziert werden, um jeden einzelnen Menschen zu erreichen. Und das möglichst klar und verständlich ohne den erhobenen Zeigefinger. Denn umweltbewusstes, soziales Handeln soll für jeden nachvollziehbar sein und Spaß machen.

Dieser Komplexität gerecht zu werden, bedarf es nachhaltiger Kommunikationsdesigner, die wissen, wie die Dinge zusammenhängen und wie man sie am besten verpackt. Hierin liegt auch die Herausforderung der Designer, dass sie genau überprüfen, welche Inhalte wie dargestellt werden sollten und welche Maßnahmen die passendsten sind. Das können in dem einen Fall Flyer sein, die verteilt werden, wenn es gilt, auf schnellem Wege gezielt die Menschen zu erreichen. In einem anderen Fall nützt es, sich digitaler Medien zu bedienen in Form einer Website oder sozialer Medien, wenn die Informationen breiter gestreut werden sollen.

Oft ist es die Kombination mehrerer Kanäle und manchmal ist es sogar sinnvoller auf den Druck von Flyern zu verzichten, um nicht nur Papier zu sparen, sondern auch bewusst das direkte Gespräch mit den Menschen zu suchen – auf z.B. Sportveranstaltungen in Form von Infoständen oder Mitmach-Aktionen.

Wie kann man das Mittel der Kommunikation einsetzen, um Sportorganisationen und deren Mitglieder zu einem nachhaltigen Handeln zu motivieren? Was für eine Rolle spielt da nachhaltiges Kommunikationsdesign?

Eine direkte Ansprache im Verein bzw. in der Sportorganisation selbst wird das beste Mittel sein, um die Mitglieder und Akteure emotional zu erreichen. Nur wenn man die Menschen berührt, fangen sie an nachzudenken und im besten Fall sogar ihr Verhalten zu ändern. Und wenn es nur kleine Dinge sind, die sie beherzigen, ist damit auf jeden Fall ein Grundstein gelegt für eventuell weitere Maßnahmen in der Zukunft. Und hier ist der gesamte Verein bzw. die Organisation gefragt: der Vorstand oder Geschäftsführer und jedes einzelne Mitglied.

Ich denke bei direkter Ansprache an Aktionen, die nachhaltige Themen eher unkonventionell aufgreifen. Seien es beispielsweise – ganz banal, aber wirksam – Aufkleber, die auf dem gesamten Sportgelände angebracht sind und die mit „schlauen“ Sprüchen zum Strom sparen oder Müll vermeiden animieren. Bei größeren Sportveranstaltungen können Mitmach-Aktionen das Programm begleiten, bei denen nicht nur Lust auf einen sportlichen Wettbewerb gemacht wird, sondern auch Impulse für Umweltbewusstsein und soziales Miteinander gesetzt werden.

Kleine wie große Aktionen haben in allen Fällen aufklärenden Charakter, aber ohne die Sportlerinnen, Sportler und Akteure abzuschrecken, sondern sie zum Mitmachen zu bewegen.

Hier sind gute Konzepte gefragt und eine gezielte Kommunikation, um die Menschen davon zu überzeugen, dass in einem kleinen Fußballverein wie auch in einer großen Sportorganisation umweltbewusstes und respektvolles Handeln wichtig sind.

Welche Vorteile hat der Sportverein, das Thema Nachhaltigkeit in seine eigene Kommunikationsstrategie einzubauen?

Die Vorteile für jeden Sportverein liegen auf der Hand: das größte, schlagkräftigste Argument ist das der Kosten. Und die können auf vielen Ebenen eingespart werden. Es fängt mit dem Strom sparen an durch z.B. energiefressende, alte Elektrogeräte wie Kühlschrank oder Spülmaschine. Diese können durch energieeffiziente ersetzt werden. Bewegungsmelder lassen nur dann das Licht brennen, wenn es gebraucht wird. Wassersparende Duschköpfe können eingebaut werden, die bis zu 60 % Wasser und damit bares Geld einsparen.

Es gibt seit 1997 den Öko-Check in Hessen, der es Vereinen ermöglicht, sich von einem Energieberater einen Überblick über mögliche Sanierungs- und Verbesserungsmaßnahmen in den Gebäuden und auf den Außenflächen zu verschaffen.

Natürlich fallen darunter auch größere Investitionen, wie z.B. die Installation einer Solaranlage oder das Umrüsten der Heizung, aber bereits viele Vereine haben den Öko-Check in Anspruch genommen und haben auf lange Sicht teilweise die Energiekosten halbiert.

Außerdem können gerade für größere Ausgaben Anträge für Fördergelder gestellt werden, die circa 60-70 % der Gesamtsumme betragen.

Ein weiterer Vorteil ist der ideelle. Sportvereine können sich für eine saubere Umwelt und ein faires Miteinander einsetzen und damit einen entscheidenden gesellschaftlichen Beitrag für eine gerechte und intakte Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder leisten. Nachhaltigkeit ist keine Floskel oder eine vorübergehende Modeerscheinung, sondern das ist gelebte Zukunft.

Glücklicherweise ist umweltbewusstes Handeln für viele Menschen im Privaten wie auch in vielen Unternehmen und Institutionen aller Branchen weltweit eine Notwendigkeit. Der Sport gehört dazu. Und wenn sich ein Verein entsprechend positioniert, wird er auch mehr Menschen anziehen, weil viele Menschen den Umweltgedanken und das respektvolle Miteinander teilen. D.h. der ideelle Vorteil kann sich zu einem monetären umwandeln, wenn man eine steigende Mitgliederzahl auf diesen Aspekt reduziert.

Welchen Tipp kannst Du den Sportvereinen an die Hand geben, worauf sie bei der Kommunikation zum Thema Nachhaltigkeit achten sollten?

Die Mitglieder mitnehmen und begeistern. Das ist das A und O. Nur wenn die Mitglieder überzeugt werden können, beteiligen sie sich und tragen den Gedanken mit. Und je mehr mitmachen, desto mehr kann erreicht werden. Wenn der Verein erstmal entschieden hat, Schritt für Schritt einzelne Maßnahmen umzusetzen, dann wirkt dieser Verein wiederum als Multiplikator für andere Vereine.

Um alle innerhalb des Vereins für einen nachhaltigeren Weg zu gewinnen, sollten die angestrebten Maßnahmen auch offen und transparent kommuniziert werden. Zuerst sollte eine Art Fahrplan entworfen werden, an welchen Stellen optimiert werden kann, um dann mit Zahlen und Fakten, gerade wenn es um größere Investitionen geht, die Mitgliedschaft darüber zu informieren. Eine Mitgliederversammlung wäre das richtige Mittel, um mit allen ins Gespräch zu kommen und den Prozess gemeinsam zu gestalten. So haben die Mitglieder das Gefühl, wertgeschätzt und ernst genommen zu werden. Dieser Weg der Partizipation ist sicher nicht der leichteste, weil es mit Sicherheit auch Widerstand geben wird, aber das gehört zu einem Umdenkprozess dazu.

Hast Du ein konkretes Beispiel dafür, wo das Thema nachhaltige Kommunikation sehr gut umgesetzt wurde, gibt es sozusagen ein Vorzeigeprojekt?

Unter den großen Vereinen zählt der Fußballklub Mainz 05 zu den Pionieren in Sachen Umweltschutz. Im Jahr 2010 war er der erste klimaneutrale Klub der Bundesliga. Mit Solaranlagen auf dem Stadiondach oder organisierten Zügen und Bussen zu Auswärtsspielen. Mittlerweile setzen viele Vereine auf Energieeffizienz und Ökostrom. So auch die Eintracht Frankfurt mit beispielsweise zwei Tankstellen für Elektroautos in der Tiefgarage.

Dahinter stecken oftmals Großsponsoren, die die kleinen Vereine nicht vorweisen können. Allerdings bietet der Ökostromanbieter entega Klimapartnerschaften u.a. für Sportvereine an. Die Initiative heißt Vision 2020. entega war auch bei Mainz 05 treibende Kraft, Stadion und Gelände so emmissionsarm wie möglich zu gestalten.

Bei kleineren Vereinen wie z.B. der SGG – Sportgemeinschaft Götzenhain gibt es seit mehreren Jahren einen Klimaschutzbeauftragten. Sven Engel wurde als einer der Ersten in die Vereinssatzung mit aufgenommen, gehört zum erweiterten Vorstand und ist bei allen Entscheidungen mit dabei. Auch wenn er sagt, er wurde am Anfang als der „Licht-aus-Mann“ belächelt, so haben die Vereinsmitglieder mittlerweile verstanden, dass er in seiner Funktion wichtig ist. Immerhin hat die SGG bereits sieben goldene Sterne für Klimaschutz und Energieeffizienz in Sportanlagen durch den Landessportbund verliehen bekommen. Lediglich im Bereich „Einsatz von regenerativen Energien“ glitzert der Stern noch in Bronze.

KONTAKT

Ulrike Schneider ist Dipl. Kommunikationsdesignerin und Gründerin des Büros „eigensein“. Sie berät seit 1998 Unternehmen, Verbände und Institutionen, so auch Sportvereine, entwickelt für sie Kommunikationskonzepte und setzt Ideen für alle gängigen Informationskanäle um. Seit 2015 ist sie Referentin für nachhaltige Entwicklung und hat ihren Schwerpunkt auf nachhaltiges Kommunikationsdesign gesetzt.

Ulrike Schneider, eigensein – nachhaltiges Kommunikationsdesign
Mail: schneider@eigensein.de
Mobil: +49 (0)179. 45 28 869
www.eigensein.de

Wer sie persönlich treffen will, kann dies u.a. beim nächsten „Kitchen Talk“ von sportsupport NOW e.V. am 06. Juni 2017 in Frankfurt tun. Dort wird sie als Referentin einen kompetenten Beitrag zur Nachhaltigkeit im Sport leisten. Weitere Informationen zu der Veranstaltung und der kostenlosen Anmeldung bekommt Ihr hier.

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